Glitzerkram-Postkarte

„Einmal Mara Winter zum Wohlfühlen bitte“

marawinter Literaturbetrieb, Mara Leave a Comment

 

Ich liebe schräge Figuren. Menschen, die ein bisschen durchgeknallt sind. Die, wie man bei uns in Franken sagt, „einen an der Waffel haben“. In all meinen Büchern findet ihr deshalb leicht verhaltensgestörte Personen. Sie passen übrigens in jedes Genre, in Unterhaltungsromane ebenso wie in Krimis.

Vielleicht erinnern sie euch beim Lesen an jemanden, den ihr kennt. Und dann kommt euch euer eigenes Leben vielleicht wieder ein bisschen schöner vor.

 

Vielen Dank für diese Rezension, Bücherheike <3:

„Einmal Mara Winter zum Wohlfühlen bitte.

Nach „Summa cum Liebe“ ist „Glitzerkram“ mein 2. Buch von Mara Winter. Und ich bin wieder begeistert. Ihre Heldinnen sind immer ein kleines bisschen durchgeknallt, etwas verrück, leicht ironisch, lustig und sie haben immer Leute wie sie selbst im Schlepptau. Immer so, dass es nicht nervt, sondern unterhält. Eben das bisschen Glitzerkram, das das Leben schön macht.“

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Leseprobe aus Glitzerkram:

Ich stehe in meinem verstaubten Bad und trage als allerletztes Wimperntusche auf. Dafür nehme ich mir Zeit und tusche jedes Härchen einzeln, bis meine Wimpern gleichmäßig dunkelblau strahlen. Jetzt brauche ich bloß noch die schlichten, seriösen Haarklammern, die waren da doch irgendwo in der lila Schachtel – oder in der gelben oder in dem grünen Döschen oder in einem meiner dreizehn niedlichen Körbchen auf der Ablage.

Leider ist die Ablage so zugestellt mit Deo, Zahncreme, Bodylotion, Wattepads, feuchtigkeitsspendenden Gesichtsmasken und tausend rosa Glitzerhaargummis und -spängchen, dass ich nicht wirklich an die Körbchen herankomme. Und ich habe jetzt echt keine Zeit, das alles wegzuräumen. Nehme ich halt die Blümchenspangen, die Röschen sind so klein, dass sie gar nicht auffallen. Hoffe ich.

Ich bin selten hier, weil ich die meiste Zeit bei Jan verbringe, aber meine Businessverkleidungsklamotten lagern natürlich zu Hause, die brauche ich ja nur ganz selten. Naja, in letzter Zeit leider öfters.

»Wir sind hier kein Studentenmagazin«, hat der Chef mit zugekniffenen Augen gesagt, »kaufen Sie sich ein paar ordentliche Kostüme, Frau Berger.«

Gut, vielleicht war es eher ungeschickt, zum Bewerbungsgespräch in Batikkleidchen und Hippiesandalen zu kommen, aber wir hatten schließlich einunddreißig Grad.

Und außerdem waren die Referenzen des Kölner Studentenmagazins schließlich meine Eintrittskarte in die heiligen Hallen des Interieur Magazins gewesen. Für diesen Praktikumsplatz war ich sogar bereit, auf meine Sommerferien zu verzichten, dabei hatte ich mich eigentlich bloß dort beworben, um meinen Vater ruhig zu stellen, der genau zehn Stunden nach meiner Examensfeier anfing, mich mit seinen Zukunftsängsten zu nerven. Völlig verkatert hatte ich am Telefon – wär’ ich bloß nicht rangegangen! – versprochen, bis Ende der Woche die erste Bewerbung loszuschicken. Und die Ausschreibung von Interieur war die einzige, die mir wirklich gefiel. Also polierten Steffi und ich meinen Lebenslauf auf und bastelten großartige Referenzen zusammen. Ich hätte trotzdem nie erwartet, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden und erst recht nicht, den Praktikumsplatz dann auch zu bekommen.

Aber ein Gott oder das Schicksal hatten Erbarmen mit mir, oder Herrn Bodenkampp gefielen einfach bloß meine Beine, wie Jan vermutete. Jedenfalls musste ich ab August täglich antreten und Pressemitteilungen über Echtholzparkett, pflegeleichten Kunstrasen und hochwertige Klobürsten online stellen, anstatt mit Jan an den See zu fahren oder mit Steffi und Simone im Freibad abzuhängen.

Bezahlt wurde ich natürlich nicht, aber ich sammelte »wertvolle Erfahrungen«, wie mein Vater mir versicherte.

Zum Buch:

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